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Das Textildenkmal an der Schanzenstraße

Vorwort zur Chronik der Grevelour AG

Mit der Errichtung des Textildenkmals auf dem ehemaligen Grevelourgelände im November 2000 durch den Heimatverein Grefrath fand eine mehr als einhundertjährige industrielle Textilproduktion in Grefrath ihr Ende. Die vorliegende Chronik bildet den Abschluß des Projektes „Industrielle Textilproduktion in Grefrath“.

Dem Heimatverein Grefrath lag das von Herrn Thate in mühsamer Arbeit verfaßte, umfangreiche „Kaleidoskop“ vor, in dem der Verfasser unter anderem auch sehr ausführlich die weltgeschichtlichen und politischen Hintergründe der jeweiligen Zeit beleuchtet hat. Wegen des großen Umfangs dieses Werkes hat Herr Peter Mündges die Aufgabe übernommen, mit seiner Sachkunde und seinem persönlichen Engagement die Chronik auf die Teile zu reduzieren, die das Grefrather Unternehmen unmittelbar betreffen.

Die Textilbetriebe in unserer Gemeinde, die aus der Firma Ebels & Schwartz hervorgegangen sind, haben das Leben der Bürger unserer Gemeinde über viele Generationen in erheblichem Maße beeinflußt. Der Heimatverein hielt es daher für angebracht, mit dieser Chronik an die Öffentlichkeit zu treten, um auf diese Weise auch einen Teil der jüngeren Geschichte Grefraths zu dokumentieren. Die Zielgruppe dieser Chronik ist nach der Vorstellung der Bearbeiter sehr heterogen. Dies mag dazu führen, dass bestimmte Einzelheiten, beispielsweise technische Daten oder wirtschaftliche Kennzahlen, nicht das Interesse eines jeden Lesers finden werden.

Wir haben uns jedoch dieser Arbeit unterzogen in der Hoffnung, daß die vorliegende Chronik auf ein breites Interesse stoßen wird.

Für den Heimatverein Grefrath:

Herbert Küsters (Vorsitzender)
Peter Mündges (Ehrenvorsitzender)

Grefrath, im November 2001

Kurzbeschreibung des Textildenkmals

Die drei abgeschrägten, aufrechtstehenden Basaltbeton-Elemente mit den eingelassenen runden Öffnungen stehen symbolisch für die drei Firmen, die seit der Gründung der Samtbandweberei Ebels & Schwartz die Hauptsäulen in dem Grefrather Textilunternehmen waren. Die abgeschrägten Formen greifen die Scheddach-Konstruktion der ehemaligen Gebäude wieder auf.

Kettfäden, dargestellt durch die Edelstahlstangen, die auf der einen Seite in zwei übereinanderliegenden Ebenen die Betonformen durchdringen und auf der anderen Seite als zwei Metallbahnen hervortreten, verkörpern den Vorgang des Doppelwebens von Samt- und Plüschgeweben (Ober- und Untergewebe). Die Edelstahlbleche sind so gebogen, dass für den Betrachter ein Bezug zum Stoff hergestellt wird. Durch die versetzte Anordnung der Basaltbeton-Elemente ergeben sich beim Umrunden des Denkmals unterschiedliche räumliche Eindrücke. Dies wird besonders beim Blick durch die runden Fensteröffnungen deutlich.

Firmengeschichte

Im Jahre 1869 gründeten Johann Peter Ebels aus Mönchengladbach und Rudolf Schwartz aus Krefeld in Grefrath die Samtbandweberei Ebels & Schwartz. In der wechselvollen Geschichte haben sich Namen und Besitzverhältnisse oft geändert. Im Jahre 1923 wurde das Unternehmen ein Werk der Girmes – Gruppe. Die bedeutendsten Unternehmen waren die Firmen Schwartz, Plüschweberei und Grevelour. Um die Erinnerung an den Gründer wach  zu halten, hat der Heimatverein Grefrath sich dafür eingesetzt, dass eine Straße auf dem sanierten Gelände den Namen Schwartzstraße erhielt.

Große Investitionen und die schöpferische Leistung der Mitarbeiter machten das Werk zu einer der größten Fertigungsstätten für Polgewebe. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste die Girmes – AG im Jahre 1986 diesen Betrieb einstellen. Nach der Sanierung des Unternehmens und dessen Umwandlung in die Girmes GmbH wurde der Produktionsstandort Grefrath immer weiter abgebaut und schließlich ganz aufgegeben. Im Jahre 1998 wurde mit dem Abriss der Gebäude begonnen.

In den vergangenen Jahrzehnten  fanden an dieser Stelle Tausende von Bürgern unserer Gemeinde Arbeit und Brot. Die Unternehmen, die an dieser Stelle gearbeitet haben, trugen den Namen Grefraths in alle Welt. Sie haben wesentlich zum Wohlstand der Gemeinde beigetragen.

Es ist der Wunsch des Heimatvereins, daß auf dem sanierten Gelände neues Leben erblüht.

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Geschichte des St. Martin in Grefrath


St. Martin 2015

Der 58-jährige Peter Thönes hat Erwin Feyen (75), seinen Nachbarn, nach 25 Jahren als St. Martin abgelöst.
Auch in Grefrath gibt es schon seit vielen Jahren St. Martinszüge. In einer Schrift, die der St. Martins – Verein Grefrath im Jahre 1989, also vor inzwischen über 25 Jahren - aus Anlaß seines 100jährigen Bestehens herausgebracht hat, heißt es unter anderem:

Die Initiative, im Dorf Grefrath zum Martinsabend 1889 einen geordneten Martinszug zu organisieren, ging vom damaligen Schulleiter Johannes Horrix in Zusammenarbeit mit dem Ortspfarrer Reenen und den Lehrpersonen aus. Schon in den Jahren vorher waren Kinder am Martinsabend durch den Ort gezogen, allerdings noch nicht in einem geordneten Zug. In der alten Schulchronik steht unter dem Datum des 10. November 1889 eine Eintragung vom damaligen Hauptlehrer Johannes Horrix: „Die Kinder der Dorfschule mit ihren Fackeln – die damals meistens aus Rüben geschnitzt waren – wurden von Herrn Lokal-Schulinspektor Pfarrer Reenen, den Lehrern und Lehrerinnen begleitet. Die Kinder wurden durch Nüsse und Kastanien beschenkt.“

In den darauffolgenden Jahren wird der Martinszug immer wieder in der Schulchronik erwähnt. Während des Ersten Weltkrieges fanden keine Umzüge statt. Danach steht in der Chronik unter dem Datum des 10. November folgender von dem damaligen Rektor Nieten geschriebener Bericht:

„Prächtig, wie noch nie in Grefrath, war der St. Martinsfackelzug. Voraus ritt zum ersten Mal St. Martin auf einem Schimmel ..., neben ihm zwei Pagen ... . Dann kamen die Mädchen, dann die Musikkapelle und dann die Knaben. ... Froh und jauchzend schallten die Martinslieder durch die stille Abendluft. Und dann gings zur Bescherung. ...“

In der Nazizeit wurde die Durchführung des Zuges von N.S. – Organisationen in Verbindung mit der Lehrerschaft übernommen. Während des Zweiten Weltkrieges vielen die Martinszüge aus.

Im Konferenzbuch der Katholischen Volksschule ist ein kurzer Bericht von Rektor Beniers zu lesen. Dort heißt es:

„Am 10. November 1945 findet nach sechsjähriger Pause die Martinsfeier statt. Es ist in der Gemeinde (insbesondere bei den Bauern) so viel an Mehl, Butter, Zucker und Geld gesammelt worden, daß man den Kindern eine würdige Martinsfeier geben kann. .Jedes Kind soll eine Tüte mit Äpfeln, Plätzchen, Bonbons und Stuten erhalten. Sogar Kerzen (!) wurden an die Kinder verteilt. ...“ .

Im Jahr 1957 gab es einige Neuerungen beim Martinszug:

- Herolde tragen ein neues Gewand in den gelbblauen Farben der Gemeinde und Laurentiuswappen auf der Brust.
- Am Martinsfeuer auf dem neuen Schulhof am Burgwegwird die Martinsszene gespielt.
- Zum ersten Mal endet der Martinszug an der Schule am Burgweg.

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Pfarrkirche St. Laurentius

Gestaltung der Kirche vor der Renovierung

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Grefrather Wallfahrten

von Stefan Krewet
Quellenangaben

17. Jahrhundert – Kevelaer wird Wallfahrtsort

 

Das Jahr 1642 gilt offiziell als Beginn der Kevelaer-Wallfahrt. Nachdem der Händler Hendrick Busman (auch Hendrik Busmann) an einem Hagelkreuz auf Weisung einer geheimnisvollen Stimme eine kleine Kapelle (die heutige „Gnadenkapelle“) errichtete, hatte dessen Frau Mechel Schrouse einen Monat vor Pfingsten im Jahr 1642 eine nächtliche Erscheinung. Sie sah in einem großen glänzenden Licht ein Heiligenhäuschen mit einem Bildchen der Gottesmutter Maria „Consolatrix Afflictorum“ (Trösterin der Betrübten) von Luxemburg, welches ihr einige Zeit zuvor von zwei Soldaten zum Kauf angeboten worden war. Mechel traf in Kempen einen Leutnant und kaufte diesem ein Bildchen ab. Der damaligen Pfarrer der Kevelaerer Antoniuskirche, Johannes Schink, setzte am Sonntag dem 1. Juni das Bildchen (das heutige „Gnadenbild“) in die Kapelle. Dort steht heute noch unter einem Wappenschild mit Kreuz und Blätterzweig geschrieben: „Ano 1642 Hendrick Busman – Mechel Scholt gegev“.
In der katholischen Überlieferung der Wallfahrt zu Kevelaer wird von vielen Wunderheilungen berichtet. Die ersten Darstellungen stammen bereits aus den Jahren 1642/1643. Bei der Synode in Venlo im Jahr 1647 wurden acht Heilungen nach katholischem Regelwerk als Wunder anerkannt und Kevelaer erhielt die Anerkennung als Wallfahrtsort.

 

 

18. Jahrhundert – Anfänge der Grefrather Wallfahrt

Da die räumliche Distanz zwischen Grefrath und Kevelaer vergleichsweise gering ist, erscheint es fraglich, ob es tatsächlich beinahe 100 Jahre dauerte, bis sich die erste (organisierte) Pilger-Gruppe aus Grefrath auf die Wallfahrt begab; jedenfalls ist als frühester Nachweis für das Jahr 1734 eine solche durch ein Wallfahrtsschild belegt, das sich in der Kevelaerer Kerzenkapelle befindet (Peter Dohms, 1993).

Schon in den (dokumentierten) Anfängen wurde für Grefrath der Festtag der Apostel Petrus und Paulus (Peter und Paul) Ende Juni als Termin für die Wallfahrt bestimmt. Einige Sonntage zuvor wurde jeweils in der heiligen Messe eine Kollekte abgehalten, aus deren Ertrag man die Pilgerkerze beschaffte. Am Tag vor der Wallfahrt beichteten die Pilger in der Pfarrkirche. Auf einem alten Prozessionsweg über die (Heronger) Buschberge (Gebiet nördlich der Krickenbecker Seen) zog man am Wallfahrtstag selbstverständlich zu Fuß nach Kevelaer, besuchte dort die Gnadenkapelle, verrichtete sein Gebet und kehrte erst am Tag darauf nach Grefrath zurück (Pfr. Gatz, 1964).

 

 

Erster Koalitionskrieg und französische Herrschaft

Ab dem Jahr 1794 musste die organisierte Wallfahrt vorübergehend eingestellt werden. Im ersten Koalitionskrieg gegen die französischen Revolutionstruppen (1792 bis 1797) war auch der linke Niederrhein zeitweise Kriegsgebiet; im Spätherbst 1794 hatten die Franzosen das gesamte linke Rheinufer besetzt.
Noch während der französischen Herrschaft (1794 bis 1814) wurde die Grefrather Kevelaer-Wallfahrt wiederbelebt. So fanden unter der Leitung von Pfarrer M. G. Kessels (1803 bis 1824) erstmalig ab dem Jahr 1803 und fortan regelmäßig bis ins Jahr 1825 Pilgerreisen zum Gnadenbild statt.
In der Zeit danach beschränkten sich die Pilger, die sich auf den Weg nach Kevelaer begaben ausweislich eines Berichts des Landrats der Regierung in Düsseldorf aus dem Jahr 1839 auf nur kleine Gruppen ohne Führer und kirchliche Zeichen sowie ohne Wissen der geistlichen und weltlichen Behörden (Peter Dohms, 1993).

 

Kulturkampf und Erster Weltkrieg

Eine erneute Renaissance erfuhr die Wallfahrt im Jahr 1852, wo unter der geistlichen Verantwortung von Pfarrer Hoffmanns (1852 bis 1867) während dessen Dienstzeit in Grefrath ebenfalls Kevelaer-Wallfahrten veranstaltet wurden, freilich nur unregelmäßig. Dieser Umstand sollte sich noch als Fallstrick erweisen. So hat im Jahr 1875 der Grefrather Bürgermeister Josef Spickenheuer im Rahmen des Kulturkampfes (1871 bis 1878) die Fußprozession verboten, da diese seiner Ansicht nach eben nicht regelmäßig stattfand und daher nicht „altherkömmlich“ sei. So wurde der Konflikt zwischen Staat und Kirche um eine Neuordnung der Verhältnisse bis in die kleinsten Ortschaften hineingetragen. Erst im Jahr 1883 gestattete Bürgermeister Spickenheuer unter Auflagen die Wiederaufnahme der Fußprozessionen.
Im Jahr 1868 nahm die Reichsbahn die Bahnstrecke von Venlo nach Kempen für den Personenverkehr in Betrieb und schloss diese an die bereits bestehende Streckenführung von Krefeld nach Nijmegen (heute nur noch bis Kleve) an. Wann im Anschluss daran erste Sonderzüge für die Pilger aus Grefrath eingesetzt wurden, ist nicht dokumentiert (Anmerkung: Nebenstehendes Bild ist keiner Grefrather Pilgerfahrt zuzuordnen, es soll lediglich der Illustration dienen, wie die Sonderzüge zur damaligen Zeit geschmückt waren).
Bei ihrer Rückkehr aus Kevelaer wurden die Pilger am Bahnhof von den zu Hause gebliebenen Gläubigen empfangen und man zog unter Geläut und mit Musik festlich durch den Ort zur Pfarrkirche.
Während des ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 ruhte die Wallfahrt, doch bereits im Jahr 1919 wurde die Tradition wiederbelebt.

 

NS-Regime und Zweiter Weltkrieg

Die Wallfahrt wurde während des NS-Regimes (1933 bis 1945) erschwert. So begab man sich schon bald nach der Machtergreifung daran, den Einfluss des christlichen Glaubens zurückzudrängen. Zunächst wurden zu Beginn des sog. „Kirchenkampfes“ 1933 keine Sonderzüge nach Kevelaer mehr genehmigt, doch war dies ab 1934 wieder vorübergehend möglich (Lambertz, 2013). Seit 1938 stellte die Reichsbahn dann dauerhaft keine Sonderzüge mehr für Pilgerfahrten bereit (Willing/Evers, 2017).

Für die Dauer des zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 kam die Wallfahrt in organisierter Form erneut zum Erliegen. Es fanden jedoch während des Krieges weiterhin privat organisierte Pilgerfahrten Grefrather Bürger nach Kevelaer statt. Bernhard Krewet schilderte als persönliches Erlebnis, dass bei der Rückreise von Kevelaer der erwartete (Linien-)Zug ohne Halt weiterfuhr und ganz bewusst die wartenden Pilger am Bahnsteig zurückließ. Diese machten sich sodann zu Fuß auf den Weg in das elf Kilometer entfernte Geldern, um dort den nächsten Zug zwei Stunden später mit besseren Aussichten zu besteigen.

 

 

Nachkriegsjahre

Unmittelbar nach Kriegsende nahmen wieder Sonderzüge den Betrieb nach Kevelaer auf. Allein in 1949 erreichten bereits wieder 100 Stück den Wallfahrtsort (Willing/Evers, 2017).
Für Grefrather gab es jährlich einen Sonderzug ab Kaldenkirchen, der Pilgergruppen aus Kaldenkirchen, Lobberich, Grefrath und Mülhausen aufnahm. Organisiert wurden die ersten Züge vom Grefrather Bürger Friesen (ehemals wohnhaft Mülhausener Str. 43), der bei der Reichsbahn beschäftigt war. Musikalisch begleitet wurden die Fahrten stets vom Musikverein Grefrath, übrigens auch zur Freude der Lobbericher Pilger, hat doch deren Lied auf den Pfarrpatron St. Sebastian die gleiche Melodie wie das Grefrather Laurentius-Lied. Geistiges Oberhaupt der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius war seinerzeit Pfarrer Wilhelm Janßen (1941 bis 1959).

Die Fußpilger nutzten seinerzeit die gut 30 Kilometer lange Strecke über die historischen Verbindungsstraßen zwischen den Ortschaften (die heutigen Umgehungsstraßen existierten noch nicht), die bei geringem Verkehrsaufkommen stets von Kirchturm zu Kirchturm mitten durch die Ortschaften führten. Dort wurde dann beim Durchschreiten der Ortschaft aus der Allerheiligenlitanei der Schutzpatron der jeweiligen katholischen Kirchengemeinde aufgerufen (Wankum: St. Martin, Straelen: St. Peter und Paul, Walbeck: St. Luzia).
Über viele Jahre wurde seitens der Fußpilger in „Haus Deckers“ in (Geldern)-Walbeck das Frühstück eingenommen. Bei Verlassen war es dann bereits hell und man ging gestärkt und motiviert die letzten zehn Kilometer auf Kevelaer zu.
Dort nach insgesamt etwa sieben Stunden angekommen marschierten die Fußpilger zunächst durch den Ort hindurch, um die Bahnpilger am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Im Anschluss besuchten alle Grefrather Wallfahrer gemeinsam zu Beginn die Gnadenkapelle, um anschließend an der Pilgermesse teilzunehmen. Nach einer Mittagspause traf man erneut zusammen und beging gemeinschaftlich den Kreuzweg zum Abschluss der Wallfahrt.
Der im Jahr 1959 (bis 1971) in den Dienst eingetretene Pfarrer Friedrich „Fritz“ Jansen zeigte sich sehr beeindruckt über den großen religiösen Eifer der Gemeinde und das noch lebendige Brauchtum, auch bezogen auf die Kevelaer-Wallfahrt. Für dieses Jahr ist die Teilnahme von 90 Fußpilgern und 380 Zugpilgern überliefert. (Pfr. Jansen, 2017)
Bis 1960 fand die Grefrather Wallfahrt um den Festtag Peter und Paul statt.

 

Die 60er Jahre

Seit dem Jahr 1961 erfolgt die Grefrather Kevelaer-Wallfahrt grundsätzlich an einem Sonntag im September (in 1961 noch am ersten Septembersonntag, in der Folge am zweiten Sonntag im September). Die Praxis des Abholens der Bahnpilger durch die Fußpilger wurde auf Anregung der ohnehin schon lange unterwegs befindlichen Fußpilger eingestellt. Beide Gruppen trafen sich nun in Kevelaer am °Sent-Tönnes-Hüske“ (St. Antonius-Häuschen, historischer Bildstock an der Walbecker Straße von 1734). Dort kleideten sich die Messdiener und St. Antonius-Schützen um und man zog gemeinsam in die Stadt hinein zur Gnadenkapelle. Hierbei wurde die Wallfahrtskerze durch die Kommunionkinder getragen und die Pilgerschar sang unter Begleitung des Musikvereins das Lied „Maria zu Dir kommen wir“. (Anmerkung: die Aufnahme aus dem Jahr 1966 wurde – wie seinerzeit üblich – von professionellen Fotografen gemacht und ausgestellt. Sie konnte noch am gleichen Tag vor Ort erworben werden).

Nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) hatte Kevelaer allgemein einen deutlichen Pilgerrückgang zu verzeichnen (Willing/Evers, 2017), der auch vor den Grefrather Pilgern nicht Halt machte.
In Folge des Pilgerrückgangs wurden die Sonderzüge eingestellt (Anmerkung: der Personenverkehr auf der Strecke wurde erst im Mai 1982 eingestellt (Wikipedia, 2017)). Trotz Sonderfahrpreis in Höhe von einem Drittel des normalen Preises lohnten sich diese Züge offenkundig nicht mehr (Willing/Evers, 2017), die Bundesbahn stellte solche nur noch für Strecken von größerer Entfernung zunächst noch bereit. Somit endete die lange Tradition der Grefrather Bahnpilger, sehr zum Bedauern von Pastor Jansen.
Ersatzweise wurden fortan Busse gebucht, die die Pilger zum Preis von anfänglich 5,00 DM pro Teilnehmer nutzen konnten. Im ersten Jahr der Buswallfahrt 1967 bedurfte es noch dreier Busse. Was zunächst wie eine große Anzahl anmutet, bedeutete de facto einen deutlichen Teilnehmerrückgang gegenüber den vormaligen Zugwallfahrern.
Vermehrt reisten die Pilger mit dem eigenen Pkw an (Pfr. Jansen, 2017), was bezogen auf den neuen Septembertermin die Möglichkeit bot, auf dem Rückweg die Kirmes in Straelen aufzusuchen.

 

1965 – in Begleitung von Schutzengeln

(Pfr. Jansen, 2017)

Im Jahr 1965 ereignete sich im Verlauf der Fußwallfahrt am 29. August ein folgenschwerer Unfall, der beinahe in eine Katastrophe geendet wäre. Nachdem um Mitternacht zu Beginn eine heilige Messe gefeiert wurde, setzte sich die knapp 100 Personen zählende Pilgergruppe unter der Führung von Kaplan Wolfgang Wessels (1965 bis 1971) mit dem ersten Etappenziel Straelen in Bewegung, wobei der Pilgerweg damals der Landstraße 39 folgte. Die Aufstellung der Teilnehmer war seinerzeit klar strukturiert. Die jüngsten Pilger bildeten den Anfang der Gruppe unmittelbar hinter dem Kreuz, hieran schlossen sich die Frauen an und die Männer folgten am Schluss der Gruppe. Um auch in der Dunkelheit für herannahende Autofahrer erkennbar zu sein, war es üblich, am Ende der Gruppe eine Leuchte mitzuführen. An der Spitze des Zuges war ebenfalls eine Leuchte vorhanden, die am Vorbeterstab angebracht war.
Eine junge Autofahrerin aus Vinkrath mit Fahrziel Straelen näherte sich bei Nieselregen vor der Ortsgrenze von Wankum von hinten der Pilgergruppe und wich in Anbetracht der Warnbeleuchtung zunächst nach links aus. Offenbar war sie jedoch der Auffassung es lediglich mit einem Fahrradfahrer zu tun zu haben und schwenkte daher unmittelbar nach Passieren des Lichts wieder nach rechts ein. Hierbei geriet sie in den gänzlich unbeleuchteten Mittelteil der Prozession, wo sich die jungen Frauen aufhielten. Es kam zu einem Unfall, bei dem die Fahrerin in den Graben fuhr und in dessen Folge drei Personen schwer und ein weiteres Dutzend leicht verletzt wurden. Erstere mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Dauerhafte Schädigungen oder gar Todesfälle waren – dem Schutzengel sei Dank – nicht zu beklagen.
Im Nachgang zu diesem Vorfall wurde der Vorgang auch juristisch aufgearbeitet und die Unfallfahrerin zu einer Geldstrafe von 200,00 DM verurteilt. Auch die für die Wallfahrt verantwortlichen Geistlichen mussten sich der Justiz stellen. Gegen Pfarrer Jansen und Kaplan Wessel wurde ermittelt, gegen letzteren sogar Anklage erhoben. Im Urteil wurde er jedoch freigesprochen.
Seit 1966 wurde als Konsequenz aus den Vorfällen eine spätere Startzeit festgelegt, um bei besseren Lichtverhältnissen unterwegs zu sein. Die heilige Messe in Grefrath zu Beginn der Wallfahrt begann nunmehr erst um 4:00 Uhr. Auch wurde eine Altersuntergrenze für die Teilnahme von 16 Jahren festgelegt. Als Konsequenz hieraus war eine geringere Teilnehmerzahl bei der Fußprozession zu verzeichnen. Sie belief sich im Jahr 1969 noch auf 70 Personen.

 

Die 70er Jahre

(Kockelmann, 2008)

Seit 1971 (bis 1996) stand Pfarrer Günther Klussmeier der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius vor. In dessen erster Dekade belief sich die Zahl der Wallfahrer regelmäßig auf gut 300 Personen, davon bis zu 70 Fußpilger. Für die Buspilger waren stets zwei Busse zu buchen.
Der Tagesablauf gestaltete sich typischerweise derart, dass sich die Fußpilger gegen 4:00 Uhr trafen und nach einem kurzen Gottesdienst auf den Weg begaben. Für die sonstigen Pilger fand seit 1975 zunächst um 9:00 Uhr unter Mitwirkung des Kirchenchores eine heilige Messe in der Kapelle der Clemensschwestern in Kevelaer statt, bevor man um 10:15 Uhr ausgehend von der Kerzenkapelle in Prozession den Fußpilgern entgegen zog, um diese am Ortseingang zu empfangen. Um etwa 11:00 Uhr zogen dann beide Gruppen in Prozession durch den Ort zur Gnadenkapelle. Nach einer Mittagspause wurden die gemeinschaftlichen Aktivitäten vor Ort ab 13:30 Uhr mit dem Begehen des Kreuzwegs beschlossen.

 

 

Vor der Rückfahrt um 17:00 Uhr bestand noch die Möglichkeit einer Andacht mit Pilgerpredigt in der Marienbasilika beizuwohnen. Zurück in Grefrath wurden die Pilger am Ortsrand (Wasserturm) abgesetzt und von den daheimgebliebenen Gläubigen empfangen. Von hier aus zog man in einer letzten Prozession nach St. Laurentius. Dort erfolgte noch eine kurze Andacht nebst Segnung der aus Kevelaer mitgebrachten Andachtsgegenstände und Erteilung des Schlusssegens (Kockelmann, 2008).
In den 70er Jahren ergaben sich diverse Verschiebungen der Kevelaer-Wallfahrt, deren Gründe gegensätzlicher nicht sein konnten. Im Jahr 1974 fand die Wallfahrt bereits Mitte Mai statt, da im September der Katholikentag in Mönchengladbach zu Gast war und man die Teilnahme hieran ermöglichen wollte. Bereits zwei Jahre zuvor im Jahr 1972 wurde die Verlegung um zwei Wochen auf Mitte September beschlossen. Der Grund hierfür waren die Olympischen Spiele in München (Kockelmann, 2008). Offenkundig befürchtete man einen deutlichen Rückgang bei den Teilnehmerzahlen.
Im Jahr 1979 waren die Gläubigen zur Heiligtumswallfahrt nach Aachen geladen, die im festen Rhythmus alle sieben Jahre stattfindet. Aus diesem Grund wurde für Grefrath der Beschluss gefasst, ausnahmsweise auf eine eigene Kevelaer-Wallfahrt zu verzichten. Stattdessen wurde den Mitgliedern der Pfarrgemeinde empfohlen, sich bei Interesse der Pilgergruppe von St. Josef in Vinkrath anzuschließen.
Im Jahr 1976 wurde dann eine grundlegende Verlegung des Wallfahrtstermins beschlossen und umgesetzt. Man war im Pfarrgemeinderat zu der Erkenntnis gelangt, dass ein Termin vor den Sommerferien vorzugswürdig sei und so fand die Wallfahrt bereits Ende Mai statt. Die hiermit verbundenen Erwartungen steigender Teilnehmerzahlen schienen sich zu erfüllen, so wurden 68 Fußpilger gezählt, 102 Buspilger, zahlreiche mit dem eigenen Pkw und – für 1976 erstmals dokumentiert – zwölf Personen, die mit dem Fahrrad anreisten. Der frühere Termin sollte dennoch nicht lange Bestand haben.

Ein beliebtes Mitbringsel aus Kevelaer war seinerzeit ein kleines und nach heutigen Maßstäben sehr buntes Plastikfähnchen, das im Zentrum das Gnadenbild, aber auch die Gnadenkapelle und die Marienbasilika zeigte. Hierzu wird von Dorothee Borsbach eine schöne Begebenheit berichtet. So brachte ihr Vater Matthias Büssers seinen Kindern stets eine solche Fahne aus Kevelaer heim, so lange diese noch nicht selbst auf die Wallfahrt gingen. Später, als der Vater gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, die Wallfahrt selbst zu begehen, bekam er seinerseits von seinen Kindern immer ein Fähnchen mitgebracht. Als der Vater verstarb, wurde gar eine Fahne auf sein Grab gesetzt.

Von 1975 bis 1979 war Josef Beenen als Kaplan in Grefrath tätig. Alle Versuche der Pfarrjugend, diesen zur Teilnahme an der Fußwallfahrt zu bewegen, schlugen mit dessen Hinweis auf sein funktionstüchtiges Auto fehl, er bräuchte schlicht nicht zu Fuß zu gehen. Gegen Ende seiner Dienstzeit in Grefrath bestieg er am Tag der Wallfahrt, nachdem die Fußpilger bereits lange unterwegs waren, sein Auto, um ihnen gen Kevelaer zu folgen. Trotz allen Bemühens brachte er das Fahrzeug jedoch nicht in Bewegung. Nach seinem Aussteigen musste er feststellen, dass sein Auto in der Nacht aufgebockt worden war. Es ist nicht überliefert, wie er letztlich nach Kevelaer gelangt ist; als ausgeschlossen gilt jedoch, dass er gelaufen ist.

 

Die 80er Jahre

(Kockelmann, 2008)

Das Jahr 1980 bedeutete eine Zäsur. Im Rahmen der Zusammenführung der katholischen Pfarrgemeinden St. Laurentius Grefrath und St. Josef Vinkrath zu einem Seelsorgebereich erfolgte die erste offizielle gemeinsame Kevelaer-Wallfahrt, fortan grundsätzlich wieder am zweiten Sonntag im September. Einher gingen damit geringfügige Anpassungen des Ablaufs. So wurde der Start der Grefrather Fußpilger auf 2:45 Uhr vorverlegt, die an der Nette auf ihre „Leidensgenossen“ aus Vinkrath trafen. Insgesamt wird von 61 Fußpilgern berichtet. Die Radpilger fuhren gemeinsam ab 7:30 Uhr von der Vinkrather Kirche ab. Trotz des Zusammenschlusses bedurfte es nur noch eines Busses, um die Buspilger nach Kevelaer zu transportieren.

 

 

Nachdem im Jahr 1980 der Gottesdienst im Klarissenkloster zelebriert wurde, gab es im Folgejahr für die Grefrather Wallfahrer erstmals keinen eigenen Gottesdienst vor Ort, es bestand lediglich Gelegenheit zur Teilnahme am allgemeinen Pilgergottesdienst in der Marienbasilika (Pontifikalamt) oder weiterer Messangebote. Für Grefrath und Vinkrath zählte man in diesem Jahr gesamt ca. 250-300 Pilger, davon 80 Fußpilger, 65 Fahrradpilger, 52 Buspilger).
1982 zog es (ausnahmsweise) alle vier Grefrather Pfarren am gleichen Tag nach Kevelaer, jedoch nicht gemeinschaftlich.
Über viele Jahre bestand keine Möglichkeit mehr, eine eigene Messe zu feiern. Immerhin konnte der Kirchenchor im Jahr 1984 das Pontifikalamt in der Marienbasilika durch Darbietung der sogenannten „Widor-Messe“ maßgeblich mitgestalten.
Wegen der Heiligtumswallfahrt nach Aachen wurde 1986 die Kevelaer-Wallfahrt auf Anfang Juni vorverlegt. Nachdem auch in 1987 die Wallfahrt im Juni stattfand, erfolgte ab 1988 wieder eine Terminierung am zweiten September-Sonntag. Zum großen Bedauern der 45 Fußpilger, 30 Radpilger (stets dabei auch die seit 1985 im Laurentiushaus tätige und unermüdlich Rad fahrende Schwester „Rade(l)gundis“) und weitere 44 Buswallfahrer (zahlreiche Pilger kamen mit dem eigenen Pkw) fand die Wallfahrt erstmals ohne Mitwirken des Musikvereins statt. Ebenso wurde bedauert, dass die Teilnahme der Kommunionkinder, die vor Jahren noch bei 75% lag, nun auf unter 50% gefallen ist.
Im folgenden Jahr wurde das klassische Wallfahrtsprogramm erstmals um eine kulinarische Komponente erweitert. Für die Pilger bestand die Möglichkeit im Haus „Offener Jugendtreff“ ein gemeinsames Mittagessen einzunehmen, das die Grefrather Kolpingfrauen in Form einer Gulaschsuppe anboten. Die Resonanz war jedoch anfänglich weit geringer als erwartet.
Bis Ende der 80er Jahre war ein deutlicher Rückgang bei den Fußpilgern zu verzeichnen.

 

Die 90er Jahre

In 1991 konnte nach vielen Jahren wieder eine eigene Messe in der Kapelle der Clemensschwestern gefeiert werden, die traditionell vom Kirchenchor mitgestaltet wurde. Auch der Musikverein wirkte wieder an der Wallfahrt mit. Ab dem Folgejahr fanden die Gottesdienste grundsätzlich im Klarissenkloster statt, abgesehen von 1993, wo man sich ausnahmsweise in der Pax-Christi-Kapelle versammelte.

 

 

Um über die Jahre stetig rückläufigen Teilnehmerzahlen entgegen zu wirken, hatte im Frühjahr 1995 der Liturgieausschuss des Pfarrgemeinderates beschlossen, eine Umfrage zur Kevelaer-Wallfahrt zu starten, um ggf. etwas an der Gestaltung zu ändern. Die Resonanz war jedoch mit nur 41 Rückmeldungen bescheiden. Die Aussagen brachten zudem keine grundlegend neuen Vorstellungen zu Tage; die meisten Teilnehmer wünschten den bisherigen Ablauf beizubehalten. Als erfreulicher Effekt der Maßnahme belief sich die Anzahl der Pilger im gleichen Jahr auf rd. 350 Personen.
Die weiter steigende Tendenz zur Nutzung des eigenen Pkw führte dazu, dass ab Mitte der 90er Jahre keine Busse mehr geordert wurden.
Im Jahr 1996 wurde unter der Ägide des neuen Pastors Dr. Hilla eine grundlegende Veränderung der Wegführung für die Fußwallfahrt beschlossen, fort von den Straßen und hin zu Wald-, Feld- und Wirtschaftswegen. Die Strecke wurde von Frau Katja Landwehrs wiederentdeckt und lehnt sich an der historischen Route an, die schon im 19. Jahrhundert begangen wurde. Zwar ergab sich hieraus eine geringfügig weitere Wegstrecke, doch wurde die Maßnahme gleichwohl weithin begrüßt, war die neue Route doch schöner und sicherer.
Seit Ende der 90er Jahre erfolgte vor Ort in Kevelaer die Zusammenkunft der Rad- und Autopilger um 14:00 Uhr unmittelbar am Kreuzweg, um mit diesem zu starten. Im Anschluss kamen die Fußpilger hinzu und es wurde die heilige Messe im Kloster der Schwestern gefeiert und dann gemeinschaftlich die Gnadenkapelle aufgesucht.

 

Im 21. Jahrhundert

Kurz nach der Jahrtausendwende hatten die St. Antonius-Schützen beschlossen, bei ihrer Teilnahme nicht mehr die Uniform zu tragen. In Folge dieses innerhalb der Schützengemeinschaft umstrittenen Beschlusses war eine deutlich rückläufige Anzahl an Teilnehmern aus dieser Gruppe zu verzeichnen.

Fuß- und Radpilger treffen sich seit einigen Jahren zu einer gemeinschaftlichen Rast an einem netten Plätzchen, wo der Pilgerweg die „Fossa Eugeniana“ (Historisches Kanalprojekt zwischen Rhein und Maas) kreuzt. Sitzgelegenheiten und Verpflegung werden in einem Begleitbus angeliefert. Dorothee Borsbach und später auch Ralf Tilmans backen seit vielen Jahren ein spezielles „Pilgerbrot“, das insbesondere den Fußpilgern zur Stärkung dienen soll. Idee und Geschmack weckten bei den so Beschenkten große Begeisterung, so dass diese Speise fortan nicht mehr wegzudenken war und das Erreichen des Ziels ohne dies unmöglich erschien.
Im Jahr 2004 wurde das Kloster der Clemensschwestern veräußert und es bestand fortan keine Möglichkeit mehr, dort im kleinen Kreis eine eigene heilige Messe zu feiern. Seit dem Jahr 2009 erfreut sich die Pfarre jedoch an einem exklusiven „Messe-Recht“ in der Basilika, wobei es sich um ein Privileg handelt, da Pfarrer Johannes Quadflieg seither auch „Regionaldekan“ ist. Die heilige Messe darf hierbei maximal eine Stunde dauern, da unmittelbar im Anschluss die nächste Pilgergruppe terminiert ist. Das Recht ist so gestaltet, dass es fortan auch bestehen bleibt, wenn Pastor Quadflieg seine Tätigkeit nicht mehr ausübt.
Das Pilgerprogramm vor Ort beginnt um 14 Uhr mit dem gemeinsamen Kreuzweg. Im Anschluss an die Messe um 16 Uhr erfolgt der gemeinsame Gang zur Gnadenkapelle.
Zuletzt belief sich die Anzahl der Grefrather Kevelaer-Pilger auf etwa 250 Personen, die jedoch seit 2013 die gesamte neu gegründete katholische Kirchengemeinde St. Benedikt umfasst, die sich aus sämtlichen Ortsteilen der Gemeinde Grefrath zusammensetzt. Die ganz überwiegende Zahl der Pilger besteht aus Gläubigen aus Alt-Grefrath.
Exkurs: Zur Jahrtausendwende etablierte sich in Kevelaer eine jährliche „Karnevals-Wallfahrt“, die unmittelbar vor dem 11. November, dem Beginn der Karnevalssession terminiert ist. Hieran nahmen laut Dieter Schommer regelmäßig auch Vertreter des inzwischen aufgelösten Grefrather Karnevals Komitees (GKK) teil.

 

Weitere Grefrather Wallfahrtsziele

Kevelaer ist sicherlich der Wallfahrtsort, der für die Grefrather Katholiken die herausragendste Bedeutung innehat. Aber auch andere Ziele wurden von den Pilgern regelmäßig angesteuert. So zogen einst wohl schon zu Zeiten des Barock im 17. Und 18. Jahrhundert viele Einzelpilger von Grefrath aus zur Verehrung des heiligen Godehard nach Vorst und zur heiligen Irmgard nach Süchteln (Pfr. Gatz, 1964). Mindestens wieder seit den 80er Jahren finden sich Grefrather Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft an der Irmgardiskapelle auf dem Heiligenberg in den Süchtelner Höhen zur gemeinschaftlichen Teilnahme am Frauengottesdienst ein. Die Wallfahrttradition nach Vorst ist in Grefrath hingegen lange nicht mehr präsent, wird aber von anderen katholischen Kirchengemeinden durchaus noch aufrechterhalten.

Alle sieben Jahre findet im Sommer die sog. „Aachener Heiligtumsfahrt“ zu den vier großen Aachener Heiligtümern statt (Kleid Mariens, Windel Jesu, Lendentuch Christi, Enthauptungstuch Johannes des Täufers), die zu diesem Ereignis ausgestellt werden. Die Ursprünge dieser Pilgerfahrt gehen bis in die Zeit von Karl dem Großen zurück; im Mittelalter war die Wallfahrt die bedeutendste im deutschsprachigen Raum (Wikipedia, 2017).
Die Anfänge dieser Wallfahrt für Grefrath sind nicht überliefert. Im Jahr 1965 fuhren zahlreiche Grefrather (an einem Donnerstag!) noch in einem Pilgerzug nach Aachen, der auch in Grefrath Halt machte (Pfr. Jansen, 2017). Sieben Jahre später in 1972 wurde durch die Pfarre ein Bus organisiert, in dem trotz eines Montags auch Kinder mitreisten. Diese wurden hierzu vom Unterricht befreit. Auch in 1979 pilgerten Grefrather nach Aachen. Im Jahr 1986 fand die Heiligtumsfahrt in Verbindung mit dem Katholikentag statt und die Organisation der Wallfahrt oblag fortan nicht mehr dem örtlichen Pfarrbüro, sondern der übergeordneten Regionalstelle. Eine besondere Ehre wurde dem Kirchenchor von St. Laurentius nebst Pfarrorchester im Jahr 1993 zuteil, konnten diese doch an der Abendmusik mitwirken, die vor Ort hinter dem Dom auf dem Katschhof dargeboten wurde (Kockelmann, 2008).

Für den 2. Oktober 1976 berichtet die Pfarrchronik von St. Laurentius von einer Nachtwallfahrt junger Christen zum Zentrum der katholischen Jugend, den Altenberger Dom am Rand des Bergischen Landes.
Im Trierer Dom wird als Reliquie der sog. „Heilige Rock“ aufbewahrt, der Fragmente der Tunika Jesu Christi enthalten soll. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts wird dieser in unregelmäßigen Abständen für einige Wochen ausgestellt und zieht die Pilger in großer Zahl an. Im 20. Jahrhundert fand dies in den Jahren 1933, 1959 und 1996 statt. Für das Jahr 1959 ist belegt, dass Pastor Friedrich Jansen gemeinsam mit einer kleinen Grefrather Pilgergruppe im Rahmen einer Diözesanwallfahrt hieran teilnahm (Pfr. Jansen, 2017). Auch im Jahr 1996 erfolgte eine Buswallfahrt unter Teilnahme von Gläubigen aus allen vier Grefrather Pfarren (Kockelmann, 2008). Die bislang letzte Heilig-Rock-Wallfahrt war im Jahr 2012.

Im Jahr 1980 wurde auf Initiative von Thomas Türk erstmals eine Fußwallfahrt für Jugendliche nach Trier zum Grab des Apostels Matthias durchgeführt. 15 Jungen und Mädchen nahmen im Juni bei der Premiere hieran teil und machten sich auf den rund 250 Kilometer langen Pilgerweg. In den folgenden Jahren etablierte sich die Wallfahrt, jedoch nun während der Herbstferien. Für 1984 sind ebenfalls 15 jugendliche Teilnehmer überliefert, die dem Pilgerkreuz folgten. Ebenfalls belegt ist die Wallfahrt für die Jahre 1985, 1987, 1989 (11 Personen) und 1992 (10 Personen) (Kockelmann, 2008). Auch in den Jahren danach wurde noch gepilgert, jedoch nicht (mehr) regelmäßig.

Die Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) veranstalten seit vielen Jahren einmal jährlich einen Tagesausflug mit dem Bus zu wechselnden Zielen, der in früheren Jahren mitunter ebenfalls den Charakter einer Wallfahrt hatte. So machte beispielsweise im Jahr 1979 die große Zahl von 175 Frauen eine Marien-Wallfahrt nach Neviges (Ortsteil von Velbert), 1984 fuhren 130 Frauen zum Marien-Wallfahrtsort Heimbach (Eifel) und im Jahr darauf 136 Frauen nach Schönstatt (Ortsteil von Vallendar). 1987 war der Marien-Wallfahrtsort Aldenhoven (Kreis Düren) das Ziel.
1983 nahmen 61 Teilnehmerinnen aus Grefrath und Vinkrath an der Friedenswallfahrt der Frauen des Bistums Aachen zum „Birgelener Pützchen“, einer Marienwallfahrtskapelle im Kreis Heinsberg teil.

Gemeinsam mit Gläubigen aus Mülhausen und Kempen pilgern auch heute noch vornehmlich Landwirte einem alten Brauch folgend nach Xanten. Ziel ist die Kreuzkapelle auf dem Fürstenberg. Deren Nebenpatronin, die heilige Brigitta gilt als Schutzheilige des Hornviehs. Die Ursprünge der Wallfahrt gehen auf das 18. Jahrhundert zurück, als gleich mehrere große Viehseuchen den Niederrhein in große Bedrängnis stürzten (Peters, 2007).

Unter Federführung der Diözese Aachen wurden regelmäßig mehrtägige Wallfahrten nach Lourdes angeboten, die stets mit einem Sonderzug erfolgten. Machten sich im Jahr 1976 noch 25 Grefrather Pilger unter Begleitung von Schwester Gundelind auf den Weg, schwand das Interesse im Jahr 1980 zusehends, wo sich trotz geistlicher Leitung u. a. vom heimischen Pastor Klussmeier lediglich 16 Grefrather auf die Wallfahrt begaben. Im Jahr 1982 belief sich die Zahl der Pilger aus Grefrath und Vinkrath auf nur noch elf Personen. Pastor Quadflieg begleitete im Jahr 2005 acht Frauen (darunter auch Schwestern aus dem Laurentiushaus) nach Lourdes. Die Wallfahrt dauerte eine Woche, während der man vor Ort in einer Pilgerherberge untergekommen war.
In den Jahren 1982 und 1983 nahmen junge Christen an speziellen Jugendwallfahrten nach Lourdes teil, die ebenfalls auf Diözesanebene angeboten wurden. Unter der Führung des damaligen Grefrather Kaplans Ralf Freyaldenhoven (1979 bis 1983) und unterstützt von den Ehepaaren Maria und Michael Maurer sowie Gabriele und Michael Wazlawik traten zu Beginn 17 Jugendliche aus Grefrath und Vinkrath die Reise an, im Jahr darauf sogar 27.

Ebenfalls in den 80er Jahren erfolgten mehrere Pilgerfahrten nach Rom. Im Jahr 1982 machten sich 36 Jugendliche auf eine zweiwöchige Pilgerfahrt und im Jahr darauf sogar 55 Pilger aus Grefrath, nun überwiegend Erwachsene. Die Rom-Reise von 1983 wurde maßgeblich von Pastor Frohn geplant und geprägt, der als Schulseelsorger lange Jahre für die Liebfrauenschule Mülhausen tätig war und fortan regelmäßig Rom-Fahrten unter seiner kundigen Führung durchführte, die auch großen Zuspruch über die Gläubigen von St. Laurentius und St. Josef hinaus hatten.
Anlässlich der Priesterweihe des Grefrather Achim Mertens im Jahr 1986 reisten 50 Grefrather nach Rom, wobei die Erwachsenen per Bus und zahlreiche Jugendliche mit der Bahn anreisten (Kockelmann, 2008).

Im Jahr 1985 startete Pfarrer Klussmeier eine Initiative für eine Pilgerfahrt nach Israel, die zwei Jahre später verwirklicht werden konnte. Zu einem ersten Informationsabend unter der Leitung des Israel-Kenners Rolf Tophoven im FrÜhjahr 1986 erschienen zahlreiche Interessierte und das Vorhaben wurde konkret. Nach weiteren Abenden zur intensiven Vorbereitung auf Land und Leute reisten im April 1987 letztlich 45 Pilger zu den heiligen Stätten. Da Pastor Klussmeier persönlich verhindert war, oblag die geistliche Leitung Kaplan Alexander Schweikert (1985 bis 1987). Auch Herr Tophoven war vor Ort dabei (Kockelmann, 2008).

 

Grefrath als Ziel bzw. Station für Pilgergruppen

Unter dem Motto „Frieden durch Gerechtigkeit“ zog im Jahr 1984 eine von der internationalen katholischen Friedensbewegung „Pax Christie“ organisierte Friedenswallfahrt mit dem Aachener Friedenskreuz erstmals auch durch Grefrath. Wie es üblich war, wurden die durchreisenden Pilger am Ortseingang abgeholt und in die Pfarrkirche begleitet, wo das Friedenskreuz aufgestellt wurde und ein Wortgottesdienst stattfand. Im Anschluss zogen die Pilger weiter nach Oedt (Kockelmann, 2008).
Die Friedenswallfahrt geht auf die Zeit Ende des zweiten Weltkriegs zurück. Der damalige Aachener Bischof van der Velden hatte hierzu aufgerufen. Es waren Soldaten, die aus dem Krieg heimgekehrt waren und das Kreuz anfertigten, um es als Sühne für die Verbrechen, die von deutschem Boden ausgegangen waren, von Kirche zu Kirche zu tragen. Papst Pius XII forderte 1950 dazu auf, dieses Kreuz immer dann hinauszutragen, wenn der Friede bedroht ist. Angesichts des Wettrüstens Mitte der 80er Jahre sah Pax Christie die Zeit gekommen. 1987 organisierte „Pax Christie“ anlässlich des 40jährigen Jubiläums erneut eine Friedenswallfahrt durch das Bistum Aachen mit dem Friedenskreuz. Die Teilnehmer aus Grefrath übernahmen das Kreuz in Mülhausen von der St. Vitus-Pfarre Oedt und trugen es in Prozession zur evangelischen Kirche nach Grefrath, wo eine ökumenische Begegnung stattfand. Im Anschluss wurde das Kreuz unter Beteiligung von Pastorin Frauenhoff und Pfarrer Klussmeier nach St. Laurentius gebracht, wo es tags darauf von Süchtelner Christen abgeholt wurde (Kockelmann, 2008).

Für Gläubige aus anderen Kirchengemeinden ist Grefrath häufig ein Etappen- bzw. Durchgangsziel auf dem Pilgerweg nach Kevelaer. Während der Wallfahrtssaison vom 1. Mai bis zum 1. November eines jeden Jahres durchqueren zahlreiche Fußgruppen betend den Ort.
Einen besonderen Stellenwert nehmen hierbei die Gläubigen aus Elsdorf (Rhein-Erft-Kreis) ein, die bereits seit Jahrzehnten nach Kevelaer pilgern. Deren Fußwallfahrt erstreckt sich über fünf Tage und es wird stets zweimal in Grefrath übernachtet. Bis 1982 nächtigte man in der ehemaligen Gaststätte Schumeckers. Nachdem dies nicht mehr möglich war, konnten für die Frauen und Mädchen Privat-Unterkünfte gefunden werden. Die Männer und Jungen verbringen die Nacht hingegen im Jugendheim. Dort hängt auch an der Wand des Kellerabgangs ein Pilgerkreuz nebst Erinnerungsplaketten aus dem Jahr 1986, die an die 25jährige Wiederaufnahme der Wallfahrt, die ursprünglich auf das Jahr 1836 zurückgeht, erinnern. Es haben sich durch den persönlichen Kontakt auch Freundschaften ergeben. Von ganz besonderer Natur war die Beziehung der Eheleute Gertrud und Manfred Ackermann zu den Pilgern. Diese boten in den 80er und 90er Jahren nicht nur jährlich fünf bis sechs Pilgern einen Schlafplatz, sondern sie luden über zahlreiche Jahre alle Fußpilger am Abend des Rückwegs zu sich nach Hause ein und bekochten diese. Hierzu wurde ein Zelt im Garten an der Lindenstraße errichtet. Gertrud Ackermann verrichtete diesen Dienst mit besonderer Hingabe, da sie in Folge einer Gehbehinderung nicht mehr im Stande war, selbst nach Kevelaer zu pilgern (Kockelmann, 2008).

Ebenfalls Spuren ihrer Wallfahrt haben in Grefrath Pilger der Neusser Kirchengemeinden Reuschenberg und Holzheim hinterlassen. Im Jahr 2007 errichteten sie an der Bruckhauser Straße auf Höhe der Turnhalle ein Pilgerkreuz mit einer Tafel auf der geschrieben steht °Wer glaubt, ist nie allein“.

 

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